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	<title>Erio</title>
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	<description>Nicht schwarz, nicht weiß, sondern grau</description>
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		<title>Lob der Toleranz: &#8220;deeskalierende Reaktion von uns&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jul 2010 19:33:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Rosen auf den Weg, denn Homophobie ist eine diskutable Meinung. Damit antworten die OrganisatorInnen des Leipziger CSD – ernsthaft – auf ein Schreiben des Chemnitzer CDU-Politikers Kai Hähner (&#8220;aufdrängen&#8221;, &#8220;Zurschaustellen&#8221;, &#8220;Abnormalitäten&#8221;, &#8220;verleiten&#8221;, &#8220;unerträglich&#8221;, &#8220;Unverschämtheit&#8221;).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Rosen auf den Weg, <a href="http://csd-leipzig.de/pm-reader/items/homophobie-ist-heilbar-aber-nicht-durch-blossstellen.html">denn Homophobie ist eine diskutable Meinung</a>. Damit antworten die OrganisatorInnen des Leipziger CSD – <em>ernsthaft</em> – auf ein Schreiben des Chemnitzer CDU-Politikers Kai Hähner (&#8220;aufdrängen&#8221;, &#8220;Zurschaustellen&#8221;, &#8220;Abnormalitäten&#8221;, &#8220;verleiten&#8221;, &#8220;unerträglich&#8221;, &#8220;Unverschämtheit&#8221;).</p>
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		<title>So geschehen in Sachsen:</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jul 2010 16:50:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Im Februar 2008 marschierten 100 Neonazis zum väterlichen Geschäft und warfen eine NVA-Blendgranate hinein. Die Täter waren nicht einmal maskiert. Die Polizei stand eine Straßenkreuzung davon entfernt und gab später vor Gericht an, sie hätten nur vier Menschen etwas tun sehen und den Rest für Passanten gehalten. Deshalb gab es später auch kein Urteil wegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><em>&#8220;Im Februar 2008 marschierten 100 Neonazis zum väterlichen Geschäft und warfen eine NVA-Blendgranate hinein. Die Täter waren nicht einmal maskiert. Die Polizei stand eine Straßenkreuzung davon entfernt und gab später vor Gericht an, sie hätten nur vier Menschen etwas tun sehen und den Rest für Passanten gehalten. Deshalb gab es später auch kein Urteil wegen Landfriedensbruchs – die Mitglieder des Nazimobs kamen ungestraft davon, die &#8216;vier Täter&#8217; konnten ebenfalls nicht zweifelsfrei ermittelt werden.&#8221;</em></p></blockquote>
<p><a href="http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2010/07/24/ein-ort-in-angst-%E2%80%9Ewenn-wir-das-haus-wegfliegen-konnten-waren-wir-schon-lange-weg%E2%80%9C_4074">Steht bei der ZEIT</a>, allerdings fiel ausgerechnet der Ortsname unter die Zensur. Es handelt sich um <a href="http://www.chronikle.org/ort/landkreis-leipzig/colditz">Colditz</a>.</p>
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		<title>⚑ 1—07/23</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 15:13:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Volk, steh auf, sag nein&#8221; ist das Motto einer StudiVZ-Gruppe mit zehntausendfachem Zulauf. Deren Mitglieder wollen – motiviert von Wikipedia, der UN-Menschenrechts-Deklaration und einem Schlagertext – am 3. Oktober in verschiedenen Städten demonstrieren. Auch in Leipzig, wo es vorgestern erstmals ein &#8220;real life&#8221;-Treffen gab. Die Leute vom Radio-Corax-Morgenmagazin haben sich einige ProtagonistInnen sogleich zur Brust [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<ul>
<li><strong><a href="http://anonym.to/?http://deutschland-geht-auf-die-strasse.info/">&#8220;Volk, steh auf, sag nein&#8221;</a></strong> ist das Motto einer StudiVZ-Gruppe mit zehntausendfachem Zulauf. Deren Mitglieder wollen – <a href="http://anonym.to/?http://www.deutschland-geht-auf-die-strasse.info/aktuell/?page_id=202">motiviert von Wikipedia, der UN-Menschenrechts-Deklaration und einem Schlagertext</a> – am 3. Oktober in verschiedenen Städten demonstrieren. Auch in Leipzig, wo es vorgestern erstmals ein &#8220;real life&#8221;-Treffen gab. <a href="http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=35181">Die Leute vom Radio-Corax-Morgenmagazin haben sich einige ProtagonistInnen sogleich zur Brust genommen.</a> Anhören lohnt!</li>
<li><strong>Endstation links.</strong> Man kann der Antifa vieles vorwerfen, doch nach seinen <a href="http://anonym.to/?http://endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&amp;view=itemlist&amp;task=tag&amp;tag=TW%20Extremismus">&#8220;Extremismuswochen&#8221;</a> bezirzt Matze Brodkorb (SPD) nun mit der <a href="http://aka.blogsport.de/?p=1057"><em>extrem</em> originellen Behauptung, dank Antifa gebe es Nazis.</a> Das ganze in einem Vortrag während einer <a href="http://de.indymedia.org/2010/07/285829.shtml">Fachtagung des Verfassungsschutzes</a> in Potsdam. Wes&#8217; Brot ich fress&#8217;…</li>
<li><strong>Die gemeine Lüge</strong> bevorzugt man anderswo solchen <em>verkopften</em> Sperenzchen. <a href="http://anonym.to/?http://www.bildblog.de/19212/gewaltige-unterschiede/">Der &#8220;Bild-Blog&#8221; rechnet vor</a>, warum Deutschland entgegen dem <a href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2010/06/04/die-legende-von-der-schutzlosen-polizei/">Gerede von zunehmender Gewalt gegen schutzlose BeamtInnen</a> ein polizistisches Paradies ist.</li>
<li><strong>CDU statt Butler</strong> gibt es in Sachsen, wenn eine Kritik am CSD gewünscht ist. Ein gewisser Kai Hähner, von dem wir aus ganz gewissen Gründen noch nichts gehört haben, <a href="http://www.queer.de/detail.php?article_id=12491">schrob dank Sommerloch und Homophobie u.a.:</a> <em>&#8220;Leben Sie, wie Sie wollen, im Privaten und lassen Sie andere mit Ihrer Abnormalität in Ruhe.&#8221;</em> – Ganz ruhig: Zum Glück ist das Sommerloch nur eine <em>Phase</em>.</li>
<li><strong><a href="http://anonym.to/?http://www.stromberg-fanclub.de/news-fuenfte-stromberg-staffel-bestaetigt-319.html">5. Staffel &#8220;Stromberg&#8221; kommt.</a></strong><strong><a href="http://anonym.to/?http://www.stromberg-fanclub.de/news-fuenfte-stromberg-staffel-bestaetigt-319.html"></a></strong> Einfach supertoll!</li>
<li><strong>Große Zukunft</strong> sei schließlich dem <a href="http://institut.blogsport.de/">Institut für Wahrheit</a> (e.V. i.G.) beschieden. <a href="http://institut.blogsport.eu/">Demnächst Umzug zu blogsport.eu!</a></li>
</ul>
<p><strong>Lied des Tages:</strong> <a href="http://anonym.to/?http://www.youtube.com/watch?v=MT8UQBBXkcU">Duran Duran &#8211; Hungry Like The Wolf</a> (1982)</p>
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		<title>zu Jan Hoff: Marx global (4)</title>
		<link>http://erio.blogsport.eu/2009/10/08/zu-jan-hoff-marx-global-4/</link>
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		<pubDate>Thu, 08 Oct 2009 16:28:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Fortsetzung und Schluß meiner Notizen zu Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Zu Kapitel 3: Vertiefungen – Zentrale Diskurse innerhalb der deutschen und der internationalen Marx-Diskussion von den 1980er Jahren bis in die Gegenwart (S. 199–298). Hoff will &#8220;Ansätze zur Interpretation der Methode der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie&#8221; herausarbeiten (199). [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fortsetzung und Schluß meiner Notizen zu Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. <strong>Zu Kapitel 3:</strong> Vertiefungen – Zentrale Diskurse innerhalb der deutschen und der internationalen Marx-Diskussion von den 1980er Jahren bis in die Gegenwart (S. 199–298).<span id="more-36"></span></p>
<ul>
<li>Hoff will &#8220;<em>Ansätze zur Interpretation der Methode der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie&#8221;</em> herausarbeiten (199). Diese Methoden-Untersuchungen seien <em>&#8220;eine Reihe von theoretischen Versuchen, die im Anschluss an Marx auch (!) an der Erforschung der kapitalistischen Produktionsweise, d.h. des Marxschen Gegenstands selbst mitarbeiten.&#8221;</em> (200) Die <em>&#8220;wichtigen Problematiken&#8221;</em>, auf die Hoff eingeht, sind: Stellenwert der Wert- und Wertformtheorie; das Verhältnis von Forschung und Darstellung (Abstraktes/Konkretes, Problem des Anfangs, Bedeutung Hegels); der &#8220;6-Bücher-Plan&#8221;; Krisentheorie.</li>
<li>Dieselben &#8220;Probleme&#8221; wurden ähnlich kompakt schon bei Michael Heinrich (<em>&#8220;Die Wissenschaft vom Wert&#8221;</em>) und Ingo Elbe (<em>&#8220;Marx im Westen&#8221;</em>) behandelt. Indes liefert Hoff zwar zusätzliche Einschätzungen internationaler Autoren, aber keine neuen Argumente. In den vorigen Kapiteln hat sich zudem schon abgezeichnet, dass die herangezogene Sekundärliteratur mutmaßlich unter dem Gesichtspunkt ausgewählt wurde, einen Beitrag zu jenen <em>&#8220;wichtigen Problematiken&#8221;</em> zu leisten, die ausgerechnet das Themenfeld der &#8220;neuen Marx-Lektüre&#8221; abstecken.</li>
<li>Elbe hatte sich noch bemüht, dessen &#8220;Forschungsprogramm&#8221; zu begründen. Bei Hoff vermisse ich aber jede Begründung, warum etwa die Klärung des Verhältnisses Marx–Hegel eine entscheidende Frage sei. Unterstellt wird, dass deren Beantwortung ein Beitrag zur <em>&#8220;Erforschung der kapitalistischen Produktionsweise, d.h. des Marxschen Gegenstans selbst&#8221;</em> sei. Die Klärung der Methodik, die Hoff betreibt, ist dabei ein ausgesprochen philologischer Akt. Und der einzige Schluß ist, daß sich die einschlägigen Zitat-Stellen in den Originaltexten bisweilen widersprechen – und Marxens ökonomiekritischen Argumenten nichts zusetzen. Diese sind im Kapital eben <em>keine</em> philosophischen, die sich an Hegel zu bewähren hätten; und ihre Stimmigkeit steht <em>nicht</em> unter dem Vorbehalt irgendeiner ausgewiesenen Methode (&#8220;Dialektik&#8221;), ohne die Marxens Argumentation unbegreiflich bliebe oder falsch sei.</li>
</ul>
<p>Warum also die Thematisierung Hegels, warum die Konzentration auf die &#8220;Methode&#8221;? Kurze Anmerkungen dazu:</p>
<p>a) Die Frage nach Marx&#8217; Verhältnis zu Hegel ist biographisch, werk- und rezeptionsgeschichtlich bedeutsam. Von Lenin kennen wir den emphatischen Bezug auf Hegel und die Behauptung, das Kapital sei ohne Hegel-Studium nicht zu verstehen. Von Stalin kennen wir eine strikte Ablehnung Hegels, den er für einen politischen Reaktionär gehalten hat, der folglich nicht maßgeblich für Marx&#8217; Wirken gewesen sein konnte. Der ML hat beides aufgenommen mit seiner Formel der<em> &#8220;Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus&#8221;</em>. Das &#8220;moderne&#8221; Problematisieren Hegels geht insofern auf eine Kritik des ML und dessen Lehrbuch-Variante von &#8220;Dialektik&#8221; zurück. (Ausführlich siehe z.B. <em>Iring Fetscher: Karl Marx und der Marxismus, München 1967.</em>)</p>
<p>b) Was die Marxologie einerseits im Kontrast zum ML problematisiert, bringt sie beide wieder zusammen: Die Sorge um die &#8220;richtige&#8221;, authentische Methode, eben die Dialektik. Dessen einzige ausgewiesene Quelle ist der Dialektiker Hegel. Zugleich hat sich Marx davon distanziert, die Hegelsche Dialektik einfach &#8220;angewendet&#8221; zu haben; seine eigenen Hinweise zur &#8220;Methode&#8221; der Ökonomiekritik sind zudem knapp. Für Marxologen ist das der Aufruf, sie anhand Marx&#8217; Forschungs- und Darstellungsweise zu <em>&#8220;rekonstruieren&#8221;</em>. Einerseits geben solche Rekonstruktionen Auskunft über die Forscherpersönlichkeit Marx und die Menge an Quellmaterial, die er dereinst zusammengetragen hat; und darüber wird andererseits die Frage nach der Systematik der Darstellung theoretisiert. Banalerweise ist diese Frage doch schon beantwortet: Die Systematik ist <em>genau so</em> beschaffen, wie Marx seine Argumentation im <em>Kapital</em> selbst (zumindest im 1. Band) in Anschlag gebracht hat. Wo hier irgendeine vorgängige, exotische Methode am Werk gewesen sein soll, die sich vom behandelten Gegenstand abheben lässt, bleibt offen.</p>
<p>c) Die Frage nach Marx&#8217; Hegel-Bezug hat sich rezeptionsgeschichtlich verankert v.a. nach der Veröffentlichung der <em>Ökonomisch-philosophischen Manuskripte</em> (erstmal 1932). Marcuse war einer der frühesten Rezensenten, später hat er folgendes Problem der Marxschen Theorie umrissen und auf Hegel bezogen:</p>
<p style="padding-left: 30px"><span style="font-family: Consolas;line-height: 18px"><em>„<span style="font-family: Times;line-height: 19px">Wenn dieselbe Theorie sowohl die Entwicklung A wie nicht-A, die Prosperität sowohl wie die Krise, die Revolution sowohl wie das Ausbleiben der Revolution, die Radikalisierung der Arbeiterklasse sowohl wie die Integrierung der Arbeiterklasse in das bestehende System begreifen kann, dann mag das zwar für die Gültigkeit der Theorie sprechen, aber es spricht auch für ihre Gleichgültigkeit. Und man hat in der Tat der Marxschen Theorie unter diesem Gesichtspunkt den Vorwurf gemacht, daß sie einen eingebauten Mechanismus enthält, der sie gegen jede Widerlegung durch die Wirklichkeit abdichtet.“</span></em><em> </em><em>Und weiter:</em><em> </em><em><span style="font-family: Times;line-height: 19px">„…ich meine, daß diese Schwierigkeiten mit dem Ursprung der Marxschen Dialektik in der Hegelschen zu tun haben“. <span style="font-style: normal">(Herbert Marcuse: Zum Begriff der Negation in der Dialektik, Vortrag 1966, in: Ideen zu einer kritischen Theorie der Gesellschaft, Frankfurt/M. 1969: S.185.)</span></span></em></span></p>
<p><span style="font-family: Consolas;line-height: 18px"><em><span style="font-family: Times;line-height: 19px"><span style="font-style: normal"><span style="font-family: Georgia">Folglich vermutet Marcuse im Hegel-Bezug (dem &#8220;frühen&#8221; Marxschen Werk entnommen) einen &#8220;Schlüssel&#8221; (Dialektik) für das aufgerissene Problem (widersprüchliche Resultate derselben Theorie), die v.a. das spätere ökonomiekritische Werk betreffen. Marcuse problematisiert also den <em>methodisch kontaminierten Inhalt</em> der Marxschen Theorie in toto. Die &#8220;neue Marx-Lektüre&#8221; dagegen will die <em>inhaltlich kontaminierte Methode</em> in toto klären – und die kann man nur fassen, wenn man sie vom Gegenstand abzieht. Der sei schließlich &#8220;unfertig&#8221;, Marx habe die Methode in ihm &#8220;versteckt&#8221; usw.</span></span></span></em></span></p>
<ul>
<li>Und das Ziel des ganzen Spaßes? Eine <em>&#8220;grundlegende Erneuerung des an Marx orientierten Denkens&#8221;</em>; gerade die &#8220;neue Marx-Lektüre&#8221; habe hierbei <em>&#8220;zur Herausbildung eines angemessenen Marx-Bildes jenseits &#8216;populärer&#8217; Mythen&#8221;</em> beigetragen. (296f.) Das Zugeständnis, sich um die Pflege des &#8220;Marx-Bildes&#8221; zu sorgen, hätte Hoff früher im Buch bringen sollen. Immerhin ist es eine treffende Zusammenfassung desselben.</li>
</ul>
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		<title>Kosmoproleten zur Krise: Was tun?</title>
		<link>http://erio.blogsport.eu/2009/10/07/kosmoproleten-zur-krise-was-tun/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Oct 2009 15:36:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Heft 2 der Zeitschrift &#8220;Kosmoprolet&#8221; ist mittlerweile erschienen. Zwei Artikel beschäftigen sich mit der Finanzkrise: Thesen zur Krise (16–49; leider nicht online) von den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft (FdkG) und Eine Krise des Werts (50–86; hier als PDF) von Sander. In der Kosmoprolet wird eine Frage aufgeworfen, die – wie immer man sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heft 2 der Zeitschrift &#8220;Kosmoprolet&#8221; ist <a href="http://www.klassenlos.tk/kosmoprolet.php">mittlerweile erschienen</a>. Zwei Artikel beschäftigen sich mit der Finanzkrise: <em>Thesen zur Krise</em> (16–49; leider nicht online) von den <em>Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft</em> (FdkG) und <em>Eine Krise des Werts</em> (50–86; <a href="http://www.klassenlos.tk/data/pdf/sander.pdf">hier als PDF</a>) von <em>Sander</em>. In der Kosmoprolet wird eine Frage aufgeworfen, die – wie immer man sie formuliert – ein linker, aber ärgerlicher Klassiker geworden ist: Warum geht die Krise nicht mit einer Radikalisierung sozialer Auseinandersetzungen einher, warum provozieren die angesagten Härten gegenüber den Lohnarbeitern nicht zum handgreiflichen Widerspruch?<span id="more-32"></span><br />
 Die Herausgeber sprechen von einer &#8220;anhaltenden Friedhofsruhe&#8221; und mutmaßen im Editorial (<a href="http://www.klassenlos.tk/data/pdf/kosmo1editorial.pdf">hier als PDF</a>), dass</p>
<p style="padding-left: 30px"><em>&#8220;…die gegenwärtige Konfusion nicht allein ideologischer Verbohrtheit geschuldet ist, sondern in erster Linie der Tatsache, dass zumindest in den hiesigen Gefilden weiterführende Kämpfe aus der Klasse heraus immer noch Fehlanzeige sind. Die Krise scheint in der Gesellschaft noch nicht in einem Maße angekommen zu sein, das die Lohnabhängigen zu größeren Reaktionen bewegen würde.&#8221;</em> (5)</p>
<p>Grund sei u.a. der <em>&#8220;rastlose Aktionismus der Bundesregierung&#8221;</em>. Der Staat genösse zwar gerade <em>&#8220;großes Vertrauen&#8221;</em>, mit einem Andauern der Krise werde er aber <em>&#8220;früher oder später seine Potenz einbüßen&#8221;</em> (5f.) Das ist eine ulkige Beschreibung der Situation: Den Linken, die <em>&#8220;auf dem Standpunkt einer radikalen Kritik des falschen Ganzen&#8221;</em> stehen, falle <em>praktisch </em>nichts ein, <em>weil</em> die Lohnabhängigen <em>&#8220;aus der Klasse heraus&#8221; </em>keine <em>&#8220;größeren Reaktionen&#8221;</em> zeigen würden.<br />
 <br />
Das ist erstens weder der Aufriß eines speziellen <em>Krisen</em>-Problems noch dessen Begründung, weil kommunistische Politik immer und prinzipiell vor dem Problem steht, Leute zu agitieren, die <em>keine</em> Kommunisten sind. Mehr noch beziehen sich Kommunisten zweitens auf Leute, die von sich aus eben keine <em>&#8220;Kämpfe aus der Klasse heraus&#8221;</em> führen. Kommunistische Agitation hat das Dasein solcher Kämpfe nicht zur Bedingung, sondern zum Ziel. Entsprechend ist auch kommunistische Theorie nicht angewiesen auf einen vorgängigen Klassenkampf; sie wird nötig gerade im Angesicht der offenbaren Abwesenheit zutreffender und verbreiteter Begründungen für ihn. Und diese Begründung ist drittens nicht gebunden an eine besondere Situation (Krise) und wird nicht eingeschränkt durch das <em>&#8220;Vertrauen&#8221;</em>, das der Staat genießt, sondern hat auch unabhängig von der Krise die Aufkündigung dieses Vertrauens zum Inhalt. Dafür lassen sich viertens Gründe nennen, die sich <em>nicht</em> mit dem bloßen Verstreichen von Zeit automatisch aufdrängen.<br />
 <br />
In den Thesen zur Krise meinen die FdkG, die <em>&#8220;Entwicklung der Börsenkurse kann eine Situation schaffen helfen, in der die Gegnerschaft zu den Verhältnissen nicht mehr folgenlose Angelegenheit weniger, sondern praktische Tätigkeit vieler ist.&#8221;</em> Grund: <em>&#8220;Sie (die Krise) vertieft die Kluft zwischen Wirklichem und Möglichem und lässt den Gegensatz von Wert und Gebrauchswert noch deutlicher hervortreten&#8221;</em> (These 1, 17). Warum aber sollte ein dem Kapital vollständig subsumiertes und in die bürgerliche Gesellschaft restlos integriertes Proletariat <em>gerade jetzt</em> eine Gegnerschaft zu beidem beschließen, nachdem es geschichtlich schon so gut wie alles mit sich hat anstellen lassen?<br />
 <br />
Der Witz liegt im Detail, nämlich der Formel <em>&#8220;Gegnerschaft zu den Verhältnissen&#8221;</em>. Die umfassen den <em>&#8220;Gegensatz von Wert und Gebrauchswert&#8221;</em> zumeist nicht oder reflektieren ihn verkehrt. In den letzten Monaten hat es von Süddeutscher bis Financial Times Deutschland keine Zeitung gegeben, die den Kapitalismus – nunmehr mit der Krise und ihren vermeintlichen Ursachen identifiziert – verteidigt hätte; Bankvorstände sagen <em>mea culpa</em>; und Demonstranten, Medien und Bankvorstände sagen gemeinsam: so kann es nicht weitergehen. Und genau so ist es um die <em>&#8220;Gegnerschaft zu den Verhältnissen&#8221;</em> bestellt: Das ist eine verbale Schelte für ein Verhältnis, das nicht mehr aufgeht, und führt zum interessierten Nachdenken darüber, wie es wieder aufgehen kann – nämlich: Kürzung von Managergehältern, Streichen von Boni, Finanzmarktkontrolle etc. Wenn die Krise eine Situation schafft, die <em>solche</em> Forderungen nach sich zieht, ist sie für kommunistische Agitation genauso nützlich oder unnütz, wie Zeiten außerhalb der Krise.<br />
 <br />
Selbst tiefe soziale Widersprüche, die von den Betroffenen registriert werden, führen noch nicht zur Aufkündigung sozialpartnerschaftlicher Loyalität. Erst recht dann, wenn der Kapitalismus in der Krise steckt, beweist sich für Nationalisten doch ihre objektive Abhängigkeit vom Erfolg der Weltmarktkonkurrenz sowohl ihres Unternehmens wie ihres Staates, also vom prinzipiellen Funktionieren dieser Wirtschaft. Das Interesse daran wird durch die Krise selbst nicht erschüttert. Und daher braucht der Staat auch kein besonderes <em>&#8220;Vertrauen&#8221;</em> seiner Bevölkerung in der Bewältigung der Krise – weil man sich in diesem Interesse wechselseitig einig ist. Doch gerade darauf gründen die FdkG ihre Annahme, das</p>
<p style="padding-left: 30px"><em>&#8220;…Gefeilsche und Gekeife zwischen Landesfürsten, Unternehmern, Betriebsräten und selbst Belegschaften, die, von nackter Existenzangst getrieben, ebenfalls auf rettende Staatsgelder hoffen, gibt einen Vorgeschmack darauf, welche zentrifugalen Energien im Falle einer Verschärfung der Krise entfesselt werden könnten. Einmal mehr demonstriert die bürgerliche Gesellschaft ihre Bereitschaft, sich in rivalisierende Rackets aufzulösen und zum großen Hauen und Stechen überzugehen.&#8221;</em> (These 6, 31)</p>
<p>Es gibt dafür m.E. keinerlei Indizien, sondern nur einen von Antideutschen gepflegten Mythos, der sich mit dem Begriff &#8220;Racket&#8221; verbindet. Horkheimer hat das Racket bekanntlich für <em>&#8220;die Grundform der Herrschaft&#8221;</em> gehalten. Wenn man es so allgemein deutet, stimmt das freilich für so gut wie jede Gesellschaft: Es gibt Gruppen, die sich entlang ihrer Interessen selbständig organisieren und sie soweit durchsetzen, wie es ihre Machtmittel ermöglichen – <em>soweit</em> ihnen Machtmittel zufallen und <em>soweit</em> ihnen deren Gebrauch vom Gewaltmonopolist gestattet wird. Solange der waltet, ist eine <em>&#8220;Auflösung&#8221;</em> der Gesellschaft in <em>&#8220;rivalisierende Rackets&#8221;</em> nur die hypothetische Umschreibung eines Bürgerkriegs aller gegen aller, nebst faschistischer Gefahr. Diese Umschreibung bezieht sich – so vage, wie nur möglich – auf <em>&#8220;zentrifugale Energien&#8221;</em>, die eine Verpflichtung auf den Staat negieren müssten. Derweil geschieht diese Verpflichtung der konkurrierender Interessen auf den Staat aber deswegen, um <em>überhaupt</em> Interessen anmelden zu können; es handelt sich schließlich um Geschäftsinteressen.<br />
 <br />
Dennoch sieht die FdkG jene <em>&#8220;zentrifugalen Energien&#8221;</em> am Werk und will sie indirekt nachweisen an politischen Eingriffen: Die Leute würden durch die Krise so augeputscht, dass der Staat sie beizeiten bestechen müsse. So handle es sich beim US-amerikanischen Konjunkturpaket, das Wohlfahrtsleistungen umfasst, <em>&#8220;schlicht um präventive Aufstandsbekämpfung&#8221;</em> (These 7, 36). Abgesehen vom Idealismus, dem auch regierende US-Demokraten anhängen, wenn sie mit Almosen ihr Volk beglücken, geht es doch vorrangig nicht um dessen Behandlung als potentieller Rebellionsherd, sondern um dessen Pflege als nationale Mobilisierungsmasse durch eine Stärkung der staatlichen Armutsverwaltung, auf die gerade wieder mehr Menschen angewiesen sind. Die staatlich subventionierte Reproduktion von Arbeitskraft zielt auf einen späteren Zeitpunkt, zu dem diese Arbeitskräfte wieder möglichst massenhaft erfolgreich &#8220;produktiv&#8221; vernutzt werden können.<br />
 <br />
Die Vermutung der FdkG allerdings, dass Menschen in Armut, auch wenn sie massenhaft auftritt, ihre Ausflucht in einem Aufstand suchen würden, ist eine Spekulation, die obendrein nur wenige Entsprechungen in den letzten Jahrzehnten benennen kann. Dennoch heften die Autoren an eine Verschärfung der Krise geradezu revolutionäre Erwartungen: die <em>&#8220;menschliche Irrationalität des Systems&#8221;</em>, die <em>&#8220;gesellschaftliche Perversität&#8221;</em>, die <em>&#8220;verrückte Welt&#8221;</em> und ihre <em>&#8220;Absurdität&#8221; </em>würden dann für jedermann sichtbar. (These 8, 42f.) Je mehr dies</p>
<p style="padding-left: 30px"><em>&#8220;…in die Köpfe der Leute dringt, desto größer wird die Möglichkeit, dass Verzweiflung und Misstrauen an den vorhandenen Zuständen in die Vorstellung einer Gesellschaft umschlagen, die nicht auf Tausch und Konkurrenz, sondern auf bewussten gemeinsamen Entscheidungen über Produktion und Verteilung basiert.&#8221;</em> (ebd.)</p>
<p>Nicht erklärt wird, wie und warum <em>&#8220;Verzweiflung und Misstrauen&#8221;</em> in die Vorstellung einer kommunistischen Gesellschaft <em>&#8220;umschlagen&#8221;</em> können. Und es wird eingestanden, dass das realiter auch nicht geschieht: Dies sei <em>&#8220;der völligen Abstraktheit geschuldet, die der Vorstellung der klassenlosen Gesellschaft heute anhaftet.&#8221;</em> (These 9, 44) Wer sich auf <em>&#8220;Verzweiflung und Misstrauen&#8221;</em> beruft, kann allerdings keine konkreten Vorstellungen verlangen – schon gar keine kommunistischen. Das können auch die FdkG nicht, die ihre Überlegungen zu diesem Ende bringen: <em>&#8220;Kurz: Auch die tiefste Krise wird dem Kapitalverhältnis nicht den Garaus machen, wenn seine Aufhebung nicht wieder in den Horizont des Möglichen rückt.&#8221;</em> (46) Die tiefsinnige Essenz: Was zurzeit nicht möglich ist, ist nicht möglich.</p>
<p>Was also tun, so völlig nicht-abstrakt? <em>&#8220;Zirkulation von Erfahrungen aus den Klassenauseinandersetzungen&#8221; </em>(47), antworten die FdkG. Ein äußerst revolutionäres Programm in einem Moment, in dem <em>&#8220;Kämpfe aus der Klasse heraus&#8221;</em> Fehlanzeige seien. (5)</p>
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		<title>zu Jan Hoff: Marx global (3)</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 14:09:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Fortsetzung meiner Notizen zu Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Zu Kapitel 2: Die Fortentwicklung der Marx-Debatte seit den 1960er Jahren (S. 78–200). Der Autor behandelt darin Beiträge zur marxistischen Theorie aus Westdeutschland, Asien (insbes. Japan), Ostblock, Westeuropa, Lateinamerika, Spanien und dem angelsäschischen Sprachraum. Hoff ist schon im ersten Kapitel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fortsetzung meiner Notizen zu Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. <strong>Zu Kapitel 2:</strong> Die Fortentwicklung der Marx-Debatte seit den 1960er Jahren (S. 78–200). Der Autor behandelt darin Beiträge zur marxistischen Theorie aus Westdeutschland, Asien (insbes. Japan), Ostblock, Westeuropa, Lateinamerika, Spanien und dem angelsäschischen Sprachraum.</p>
<p><span id="more-26"></span></p>
<ul>
<li>Hoff ist schon im ersten Kapitel dieselben Regionen durchgegangen und vertieft sie nun weiter. Diese Aufteilung ist uneinsichtig, weil inhaltlich nicht begründbar: Erstens ist Hoff zuvor der Versuch, die behandelten &#8220;Denkansätze&#8221; in &#8220;Konjunkturen&#8221; der Marx-Diskussion einzuordnen, nicht recht gelungen. Zweitens fällt die nachgeschobene Vertiefung selektiv aus: Bei manchen Ländern geht Hoff vor allem auf den Übersetzungs- und Editionsstand der Originaltexte ein, bei anderen geht er ganze &#8220;Denkschulen&#8221; durch (z.B. Japan), bei einigen belässt er es beim name dropping mehr oder minder bekannter Akademiker und Philosophen.</li>
<li>Das mag den Quellenbestand selbst oder die tatsächliche – dann zumeist geringe – Bedeutung dieser oder jener &#8220;Denkansätze&#8221; in diesem oder jenem Land reflektieren. (In der Einleitung hat Hoff den &#8220;Provinzialismus&#8221; mancher Theoretiker noch gescholten; hier hat er seinen Grund gefunden) – Der Autor jedenfalls fabriziert daraus eine Ideengeschichte.</li>
<li>Zwar geht Hoff auf die Inhalte wenigstens einiger der behandelten Beiträge ein (manchmal belässt er es dabei, sie als &#8220;originell&#8221;, &#8220;gehaltvoll&#8221; oder &#8220;interessant&#8221; zu quaifizieren). Aber die werden nur dann verständlich, wenn man sich in diesen Diskussionen auskennt. Es ist keine Überraschung, dass dort eben jene Themen auftauchen und hervorgehoben, auf die sich die &#8220;neue Marx-Lektüre&#8221; abgerichtet hat: Stellenwert Hegels (&#8220;junger&#8221; vs. &#8220;alter&#8221; Marx) und der Dialektik, methodische Bedeutung des Fetisch-Kapitels, das Verhältnis von Forschungs- und Darstellungslogik, das &#8220;Problem des Anfangs&#8221;, die &#8220;Architektonik&#8221; der Ökonomiekritik usw.</li>
<li>Das suggeriert, alle behandelten Autoren hätten in Wirklichkeit am selben &#8220;Interpretationsansatz&#8221; (Hoff) gearbeitet, als würde aus den vielen &#8220;Zugängen&#8221; ganz folgerichtig ein &#8220;Ausgang&#8221;. Den hat Hoff schon bestimmt, er wird ihn wohl im dritten Kapitel erklären. Das illustrative Material hat er gerade gesammelt und dabei vieles weggelassen, was kein Beitrag zu seinem &#8220;Interpretationsansatz&#8221; wäre. Beispiel für eine komplette Unterschlagung ist die jugoslawische Praxis-Gruppe, die noch im ersten Kapitel wenigstens vorkam, nun aber fehlt, obwohl bei denen das Verhältnis von Früh- und Spätwerk, die Kategorie der Entfremdung, Marxens Anleihen bei Hegel usf. eine Rolle spielen.</li>
<li>Beispiel für eine selektive Darstellung: die DDR. Da wird die &#8220;Hallenser Fraktion&#8221; (v.a. Wolfgang Jahn) gewürdigt und mit ihr der Rest ignoriert. Dass der &#8220;Rest&#8221; keinesfalls zu vernachlässigen ist, zeigt bspw. <em>Margaret Wirt: Kapitalismuskritik in der DDR, Frankfurt/M. 1972.</em> Schließlich ein Beispiel für das Referieren von Vorurteilen: In den vier Absätzen zum &#8220;analytischen Marxismus&#8221; (191-193) gibt Hoff Hauptsächlich deren Kritiker wieder, die sich nie einig wurden, ob sich der &#8220;analytische Marxismus&#8221; noch Marxismus nennen dürfe. Auf S. 198 kommentiert Hoff – so argumentlos, dass man es ihm nicht glauben <em>darf</em> –, jene Strömung müsse <em>&#8220;summa summarum gerade unter methodologischem Gesichtspunkt als theoretischer Rückschritt betrachtet werden.</em>&#8220;</li>
</ul>
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		<title>zu Jan Hoff: Marx global (2)</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Sep 2009 15:28:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Fortsetzung meiner Notizen zu Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Zu Kapitel 1: Die Entwicklung verschiedener an Marx orientierter Denkansätze im Spannungsfeld von Politik und Theorie von den 1960er Jahren bis heute (S. 27–77). Hoff streift darin marxistische Denkansätze in aller Welt, speziell in Westeuropa (vor dem Hintergrund von Studentenbewegungen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fortsetzung meiner Notizen zu Jan Hoff: <em>Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965</em>. <strong>Zu Kapitel 1:</strong> <em>Die Entwicklung verschiedener an Marx orientierter Denkansätze im Spannungsfeld von Politik und Theorie von den 1960er Jahren bis heute</em> (S. 27–77). Hoff streift darin marxistische Denkansätze in aller Welt, speziell in Westeuropa (vor dem Hintergrund von Studentenbewegungen, Neuer Linker, Eurokommunismus, Operaismus), Lateinamerika (hinsichtlich Befreiungsphilosophie), Asien (samt der wenig bekannten japanischen Entwicklung). Der Überblick ist zunächst nur kursorisch und soll in Kap. 2 vertieft, die einzelnen Beiträge aufeinander bezogen werden.<span id="more-16"></span></p>
<ul>
<li>Hoffs Ausgangspunkt ist der sowjetische Marxismus-Leninismus, den er hier mit Stalinismus identifiziert und als solchen quittiert. Unter denen, die das Buch lesen und sich mit Hoffs Betrachtung im Grunde einig wissen, wird die Ablehnung des Stalinismus zwar kein Dementi hervorrufen. Aber eine nähere Kritik des ML wäre nötig gewesen. Der zentrale Einwand im Buch kürzt sich zusammen auf: <em>&#8220;Der Stalinismus führte auf dem Gebiet der Marx-Interpretation eine massive Einschränkung der wissenschaftlichen Freiheit herbei&#8221; </em>(28), es sei zu <em>&#8220;grobschlächtigen Vereinfachungen&#8221;</em> gekommen (32). Das Hoff die Abgrenzung zum sowjetischen ML (auch über die Stalin-Zeit hinaus) so summarisch vollzieht, hat auch die Folge, dass es ihm auch im Nachgang schwerfallen wird, seine angekündigte Eingrenzung auf einen &#8220;dissidenten Marxismus&#8221; konsequent zu vollziehen und zu begründen.</li>
<li>Diese Eingrenzung schränkt er nämlich ziemlich willkürlich ein, wenn er nun die Marx-Beschäftigung in den verschiedenen Ländern streift. Da bezieht er sich vorrangig schon nicht mehr auf organisierte Gruppen oder Parteien, sondern konzentriert sich hauptsächlich auf einzelne Philosophen. Dabei gab und gibt es weltweit eine ganze Reihe von Strömungen, die – eben durch ihre Abgrenzung zum ML – &#8220;dissident&#8221; sind, von ein paar hundert trotzkistischen Splitterparteien bis Stamokap-Jusos. Bei Hoff fallen die konsequent durchs Raster. Wie aber qualifiziert man sich denn für den &#8220;internationalen Marx-Diskurs&#8221;? </li>
<li>Gerade die Aussparung der zeitweise unzähligen Kleinst-Parteien und parteiähnlichen Gruppen weltweit erscheint komisch: Schließlich ist doch ein Hauptmerkmal jeder kommunistischer Organisation, das sie die Aneignung von Argumenten gegen diese Gesellschaft (ältere Schreibweise: des wissenschaftlichen Sozialismus) fördert und verbreitet (ältere Schreibweise: institutionalisiert). Das muss man zur Kenntnis nehmen, bevor man weiß, <em>wie</em> deren Argumente ausfallen und bevor man beurteilen kann, <em>ob</em> sie was taugen. Die Aufgabe wird einem auch durch die Kennzeichnung als &#8220;dissident&#8221; nicht erspart.</li>
<li>Endpunkt der Erzählung ist bei Hoff das Ende des <em>Marxismus als &#8220;Massenideologie&#8221;</em>. Auch wenn die Bezeichnung nahe liegt und nicht erst von Hoff geprägt wurde: Die Unterscheidung von <em>Marxismus als Massenideologie</em> und <em>Marxismus als Theorieprogramm</em> ist nur dort möglich, wo die Theorie eine ausdrückliche Absage an die Praxis erteilt (<a href="http://www.conne-island.de/nf/80/29.html">wie am Schluß bei Adorno</a>). Es ist zwar gegen den linken Trend, aber trotzdem wahr, dass eine gesellschaftliche Transformation – ob als Revolution oder radikale Strukturreform – ohne genügend Leute, die sie durchziehen, unmöglich ist. Diese Einsicht kann man haben, ohne des Marxismus zur Ideologie zu machen und ohne die &#8220;Masse&#8221; zu verklären.</li>
<li>Hoff schreibt, die Reaktion der ganzen Marxismen spätestens nach 1989/90 seien Forderungen nach &#8220;Veränderungen&#8221;, &#8220;Neuorientierungen&#8221; u.ä. gewesen. Als wären das nicht zu aller Zeit die Forderungen wenigstens einiger, sicher aber der &#8220;dissidenten&#8221; Marxisten gewesen! Und das lässt der Autor offen stehen, ohne zu klären, was damit teilweise für hahnebüchener Unsinn gemeint war (siehe hierzu bspw. Egbert Dozekal: <em>Von der &#8216;Rekonstruktion&#8217; der Marxschen Theorie zur &#8216;Krise des Marxismus&#8217;</em>; Hoff hätte dafür ohne Zweifel auch Entsprechungen in anderen Ländern gefunden). </li>
<li>Schließlich benennt Hoff noch den heutigen praktischen Bezugspunkt marxistischer Diskussionen:</li>
</ul>
<blockquote><p>&#8220;Nach dem historischen Ende des &#8216;Marxismus als Massenideologie&#8217; infolge der Epochenzäsur von 1989/90 ist das an Marx orientierte Denken im Spannungsfeld von Theorie und Politik zwar weithin marginalisiert, aber immer noch präsent – seit den 1990er Jahren im Umkreis der internationalen globalisierungskritischen Bewegung.&#8221;</p></blockquote>
<p>Allerdings ist theoretisch gar nicht geklärt, warum Marxismus – selbst wenn er (wie Hoff mehrfach schreibt) &#8220;kampftheoretisch&#8221; ausfällt – einen &#8220;empirischen Referenten&#8221; braucht, nur um <em>&#8220;präsent&#8221;</em> zu sein, also sich als Bewegung zu bewähren. Zumal doch klar ist, dass es im Falle der Globalisierungsgegner ein Kampf ist, der mit Kommunismus nichts zu tun hat und auch nicht auf irgendeinem &#8220;Marx-Diskurs&#8221; gründet.</p>
<ul></ul>
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		<title>zu Jan Hoff: Marx global (1)</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 06:43:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>erio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich lese gerade Jan Hoff: &#8220;Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965&#8243;. Das Buch kann wahlweise gelesen werden als Ergänzung oder Ausweitung der Darstellung Ingo Elbes in &#8220;Marx im Westen&#8221;. Dazu werde ich nach und nach einige Stichpunkte notieren. Über Anregungen zur weiteren Diskussion würde ich mich sehr freuen.   Zunächst zur Einleitung. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px;font: 12.0px Helvetica">Ich lese gerade Jan Hoff: <em>&#8220;Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965&#8243;</em>. Das Buch kann wahlweise gelesen werden als Ergänzung oder Ausweitung der Darstellung Ingo Elbes in <em>&#8220;Marx im Westen&#8221;</em>. Dazu werde ich nach und nach einige Stichpunkte notieren. Über Anregungen zur weiteren Diskussion würde ich mich sehr freuen.<span id="more-12"></span></p>
<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px;font: 12.0px Helvetica"> </p>
<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px;font: 12.0px Helvetica"><strong>Zunächst zur Einleitung.</strong> Was will Jan Hoff? Er stellt das Fehlen einer Gesamtschau internationaler Marx-Diskussionen fest; sie seien Desiderat geblieben oder hätten sich von vorn herein regional beschränkt. Das sei vor dem Hintergrund einer &#8220;Globalisierung&#8221; an Marx orientierter Theoriebildung unzulässig. Bisherigen Versuchen hafte ein <em>&#8220;eurozentrisches Verdikt&#8221; </em>(17) an:</p>
<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px;font: 12.0px Helvetica"> </p>
<blockquote>
<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px;font: 12.0px Helvetica">&#8220;Im scheinbaren Gegensatz zur beinahe globalen Entwicklung der an Marx anknüpfenden Theoriebildung blieb ein theoretischer Provinzialismus in der Geschichte des von Marx inspirierten Denkens ein bedauerliches Traditionsmerkmal der Theorierezeption.&#8221; (14)</p>
</blockquote>
<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px;font: 12.0px Helvetica"> </p>
<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px;font: 12.0px Helvetica">Hoff liegt ja nicht völlig verkehrt, aber trotzdem macht er es sich zu einfach:</p>
<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px;font: 12.0px Helvetica"> </p>
<ul>
<li>Gerade für den &#8220;dissidenten Marxismus&#8221;, den Hoff untersuchen will, gab und gibt es lokale Schwerpunkte, zum Beispiel Frankfurt/Main. Der Vorsatz, Diskussionen dort zu führen, wo man auf andere interessierte Leute trifft, wo man etwa in einem Institut untergekommen ist oder in einer bestimmten Zeitschrift veröffentlichen kann, ist freilich nicht derselbe wie &#8220;Provinzialismus&#8221;.</li>
<li>Einige Diskussionen hatten immer einen wenigstens regionalen Bezug, etwa die westdeutsche Staatsableitungsdebatte. Freilich kann man nicht jedem Autor dieser Debatte vorwerfen, dass er etwa französische Beiträge zur Staatstheorie nicht zur Kenntnis genommen habe – vielleicht hat er sie für nicht brauchbar gehalten aus anderen Gründen als nur der anderen Sprache. Und darauf wird sich auch Poulantzas (der selbst in Frankfurt gelehrt hat) nicht berufen haben, der gesagt haben soll: <em>&#8220;I don&#8217;t care for your German Staatsableitung.&#8221;</em> </li>
<li>Etwas anderes dagegen war die Marotte der K-Linken, ihren jeweiligen Marxismus von der realpolitischen Entwicklung irgendeines Lieblingslandes – China, Albanien, Jugoslawien – affizieren zu lassen. Denkt man an die Praxis-Gruppe, betrifft das auch den von Hoff gemeinten &#8220;dissidenten Marxismus&#8221;. Da kann man schon von &#8220;Provinzialismus&#8221; sprechen – aber der hat heute kaum mehr Bedeutung. </li>
<li>Umgekehrt gab es sozialistische Diskussionen, die unter Verweis auf Marx geführt wurden, aber nicht viel mit ihm zu tun hatten und international monothematisch ausgefallen sind. Ich denke z.B. an einen ganzen Berg sozialistischer Literatur zur &#8220;Atomwaffengefahr&#8221; in den 1980ern. Darunter beispielsweise ein DDR-Band &#8220;Marxistische Dialektik in Japan&#8221; (1987, Dietz-Verlag), der mit dem &#8220;Kampf um den Frieden&#8221; anhebt und dazu eine theoretische Fundierung liefert. Dummerweise unterscheidet sie sich nicht vom Lehrbuch-ML. Die spezifische Geschichte des Marxismus in Japan ist für das Resultat <em>unerheblich</em>.</li>
</ul>
<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px;font: 12.0px Helvetica"> </p>
<p style="margin: 0.0px 0.0px 0.0px 0.0px;font: 12.0px Helvetica">Fotzsetzung demnächst.</p>
]]></content:encoded>
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